Mona Lisa ist die Cousine von Digga

MONA LISA ist die Cousine von DIGGA

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(c) Matthias Gephart

Sie heißen DASH, SHINE und GALAXY, DG DOUBLE G oder SLOW BROW, sind in der fünften oder sechsten Klasse und gerade im Begriff ihre vorherigen Berufswunschvorstellungen den neuen Zeiten anzupassen: Künstler werden, das ist es! Gestern trugen sie noch ihre bürgerlichen Namen, aber jetzt steht eine neue Welt offen, in der sich alles um das Zeichnen von ineinander verschlungenen Buchstaben dreht, um ein Fantasie-Sammelsurium aus Schriften mit 3D-Blöcken und Schlagschatten. Dies ist die Heimat des Graffiti, in der das Alphabet sich in immer neuen Interpretationen findet, in der ein »A« ein schlafender Octopus sein kann und bei der Arbeit an den Sketches auch mal gesungen wird.
Diese Welt konnten wir als zunächst sieben-köpfige Gruppe in der Schulküche der GutsMuths-Grundschule an drei Ferientagen genießen. Am zweiten Tag rannten zwei kleinere Schülerinnen in unseren Raum, getragen von dem euphorischen Vorsatz, sich nicht abweisen zu lassen und mit dem festen Willen, sich der Gruppe anzuschließen. Dem einführenden Statement »Ich kann super 3D, willst Du mal sehen?« folgten direkt die ersten Zeichnungen – und da die kleinste der Neuankömmlinge sich zudem als Cousine unser Crew-Mitbegründerin DIGGA herausstellte, erweiterte sich unsere Gruppe um MONA LISA und DA VINCI. Der letzte Zugang zur Gang war schliesslich STARCAST, der, obwohl er nur einen Tag mitarbeiten konnte, seine Zeit ebenfalls intensiv nutzte, um aus dem Nichts heraus eine Reihe von besonders abenteuerlichen Buchstabenfiguren abzuliefern. »Dürfen die Buchstaben auch Augen und Hände haben?« – »Aber natürlich!«

(c) Matthias Gephart
(c) Matthias Gephart

GALAXY feierte am zweiten Tag ihren zwölften Geburtstag, inklusive Kuchenrunde für die Künstlerbande. Ein Geschenk habe auch ich erhalten, nämlich einen von DASH für mich auf ein DinA-4-Blatt gezeichneten GEE-Style mit Signatur. GEE, das bin ich, der Workshop-Initiator.

Graffiti ist nicht, irgendwo hinzugehen und loszusprühen, habe ich den Kindern erklärt. Ich will hier populären Fehl-Urteilen und Vorurteilen entgegenwirken: Ein Graffiti zu malen, etwa seinen eigenen Künstlernamen umzusetzen in groß und farbig, das erfordert viel Vorbereitung, Übung, Einfallsreichtum. Am ersten und zweiten Tag haben wir daher ausschliesslich gezeichnet, uns im Umgang mit Bleistift und Fineliner bis zum farbigem Marker und der kolorierten Style-Skizze technisch geübt und gleichzeitig individuell stilistisch vorgearbeitet.

(c) Matthias Gephart
(c) Matthias Gephart

Das Malen mit der Sprühdose selbst will erlernt sein wie der praktische Umgang mit jedem anderen künstlerischen Medium auch – und vor dem Sprühen steht die Entwurfsphase. Weil es in der Graffiti-Kunst einerseits handwerkliches Können zu erlernen, andererseits aber keine Zwänge bezüglich der Formen und Inhalte gibt, ist besonders für Kids ein ideales Experimentierfeld gegeben, in dem Begeisterung und Erfolgserlebnis als natürliche Verbündete auftreten.

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D I S T U R B A N I T Y
MATTHIAS GEPHART
www.disturbanity.com